Die acht Unterscheidungsmerkmale im Detail
Hormonelle Akne: Die U-Zone verrät es
Hormonelle Akne hat ihre Lieblingsstellen: Hals, die unteren Wangen, Kinn und Kieferlinie - auch "Jawline" genannt. Oft verteilt sie sich symmetrisch entlang der Kieferlinie, ein ziemlich charakteristisches Muster. Manchmal zeigt sie sich auch auf Rücken, Brust und Schultern, denn dort sitzen ebenfalls Androgenrezeptoren. Die Stirn bleibt meist verschont, außer bei PCOS mit sehr hohen Androgenspiegeln.
Stress-Pickel: T-Zone und überall, wo es gerade passt
Stress-Pickel bevorzugen die T-Zone, also Stirn, Nase und Kinn-Mitte. Sie verteilen sich diffuser und weniger präzise lokalisiert, da Cortisol systemisch im ganzen Körper wirkt und überall auftreten kann. Die Kieferlinie, die bei hormoneller Akne so typisch ist, ist hier zumeist nicht primär betroffen.
Sehr häufig siehst Du eine Mischung aus beidem: Eine konstant hormonell bedingte Basis-Akne am Kinn und sobald ein stressiges Event dazukommt, tauchen plötzlich auch Pickel auf Stirn und Wangen auf. In diesem Fall kommen beide Faktoren bei Dir zusammen.
Timing: Wann die Pickel kommen
Hormonelle Akne ist zyklisch und vorhersagbar. Sie verschlimmert sich sieben bis zehn Tage vor der Periode und bessert sich danach wieder. Dieses Muster wiederholt sich monatlich.
Stress-Pickel treten hingegen häufig im Zusammenhang mit einem Ereignis auf und sind unvorhersehbar. Sie tauchen zwei bis sieben Tage nach Stress-Events auf und sind nicht zyklisch, es sei denn, Dein Stress würde einem monatlichen Rhythmus folgen.
Aussehen: Wie Deine Pickel erscheinen
Hormonelle Akne ist tief, schmerzhaft und oft zystisch. Große Knötchen liegen unter der Haut ohne sichtbaren „Kopf", sind rot und geschwollen. Heilung dauert zwei bis vier Wochen, oft bleiben dunkle Flecken oder Narben.
Stress-Pickel sind oberflächlicher und zahlreicher, haben mehr Papeln und Pusteln mit sichtbarem Eiterkopf. Sie heilen schneller in ein bis zwei Wochen etwa und gehen mit weniger Narbenbildung einher.
Auch Deine Haut selbst gibt Dir Hinweise: Bei hormoneller Akne ist sie oft ölig mit vergrößerten Poren, ein typischer Androgen-Effekt. Bei Stress-Akne kann sie dagegen trocken und ölig zugleich sein, weil die Hautbarriere gestört ist.
Alter und Lebenssituation: Wann tritt welche Art der Akne auf?
Hormonelle Akne ist typischerweise eine Erwachsenen-Akne und tritt häufig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auf. Viele Frauen bemerken sie erstmals nach dem Absetzen der Pille. Bei PCOS beginnt sie meist schon in der Pubertät, kann aber auch durchaus erst später im Leben zum ersten Mal auftreten. In der Perimenopause im Alter zwischen 40 und 50 Jahren sind neue Akne-Schübe ebenfalls keine Seltenheit.
Stress-Pickel hingegen können in jedem Alter auftreten. Besonders häufig zeigen sie sich in turbulenten Lebensphasen wie während des Studiums, beim Berufseinstieg oder nach einem Jobwechsel. Sie können auch bei Menschen plötzlich auftreten, die vorher immer klare Haut hatten.
Begleitsymptome: Was sonst noch auffällt
Typische Begleitzeichen, die vor allem bei hormoneller Akne auftreten können, sind:
Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruationszyklen
Vermehrter Haarwuchs an Kinn, Oberlippe oder Brust (Hirsutismus)
Lichtung der Haare am Scheitel im Sinne einer androgenetischen Alopezie
Gewichtszunahme, insbesondere im Zusammenhang mit einem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS)
Dunkle, samtige Hautverfärbungen in Hautfalten (Acanthosis nigricans)
Erschwerte Erfüllung eines Kinderwunsches
Treten mehrere dieser Symptome gemeinsam auf, ist eine hormonelle Abklärung, insbesondere mit Blick auf ein mögliches PCOS, medizinisch sinnvoll.
Reaktion auf Behandlungen: Was das Therapieansprechen über die Ursache verrät
Auch das Ansprechen auf Therapien kann wichtige Hinweise auf die Ursache der Unreinheiten geben. Hormonelle Akne lässt sich mit rein äußerlichen Behandlungen wie Retinoiden oder Fruchtsäuren häufig nur begrenzt kontrollieren, da die eigentliche Ursache wie ein Überschuss an Androgenen oder eine hormonelle Dysbalance im Inneren liegt. Deutlich bessere Effekte zeigen oft systemische Ansätze wie eine antiandrogene Pille, Spironolacton oder auch Isotretinoin. Ernährungsumstellungen können unterstützend wirken, führen allein jedoch meist nur zu moderaten Verbesserungen. Insgesamt erfordert hormonell bedingte Akne daher häufig eine ärztlich begleitete, ganzheitliche Therapie. Stressbedingte Hautunreinheiten hingegen sprechen in der Regel gut auf topische Wirkstoffe wie Retinoide oder Salicylsäure an und verbessern sich oft deutlich, sobald das Stresslevel sinkt. Maßnahmen zur Stressregulation, wie z.B. ausreichend Schlaf, Entspannungsverfahren wie Meditation sowie adaptogene Pflanzenstoffe wie Ashwagandha oder Rhodiola, können hier eine zentrale Rolle spielen. Typisch ist, dass sich das Hautbild im Urlaub oder nach Phasen bewusster Entlastung tatsächlich spürbar beruhigen kann.
Verlauf ohne Behandlung: Chronisch oder selbstlimitierend?
Auch der Verlauf ohne gezielte Behandlung unterscheidet sich deutlich. Hormonelle Akne zeigt sich meist als chronisches, über Jahre persistierendes Hautproblem. Selten klingt es von selbst vollständig ab. Während einer Schwangerschaft kann es durch den Anstieg des Östrogenspiegels vorübergehend zu einer Besserung kommen. Nach der Geburt tritt die Akne jedoch häufig erneut auf. In den Wechseljahren kann sich das Hautbild zwar stabilisieren, ist jedoch nicht garantiert und hängt stark von der individuellen Hormonlage ab. Stressbedingte Unreinheiten hingegen sind oft selbstlimitierend: Fällt der auslösende Stressfaktor weg, kann sich die Haut deutlich erholen, während anhaltender, chronischer Stress auch hier zu einem dauerhaft entzündlichen Hautzustand führen kann.
Familiengeschichte: Welche Rolle spielen die Gene?
Bei hormoneller Akne zeigt sich häufig eine deutliche genetische Veranlagung, etwa wenn Mutter oder Schwestern ebenfalls unter später Akne oder einem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) leiden. Stressbedingte Unreinheiten weisen dagegen meist keine ausgeprägte familiäre Häufung auf.