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Frag einen Dermatologen: Mache ich meine Haut mit der falschen Routine schlimmer?

Frag einen Dermatologen
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Dr. Sarah Bechstein

Mitbegründerin von FORMEL SKIN

In diesem Artikel

Willkommen bei "Frag einen Dermatologen", unserer Serie im FORMEL SKIN-Blog, in der unser dermatologisches Expertenteam eure Fragen rund um Hautpflege beantwortet. Heute geht es um einen überraschenden Effekt: Mehr Produkte, mehr Wirkstoffe, mehr Reinigung – aber schlechtere Haut? Wir erklären, was wirklich passiert.

Warum wird meine Haut trotz aufwendiger Skincare-Routine immer schlechter? Die Antwort ist selten einfach: Was aussieht wie ein erneuter Akne-Schub, ist oft eine beschädigte Hautbarriere – verursacht durch genau die Produkte, die eigentlich helfen sollten. Unser dermatologisches Team erklärt, wie du die Warnsignale erkennst und mit einem gezielten Reset deine Haut retten kannst. Falls du dich fragst, ob deine Pickel noch "Purging" sind oder ob du deine Haut gerade kaputt machst, könnte die Antwort tiefer liegen als du denkst.

Nutzerfrage an unser Ärzteteam

Liebe Formel Skin-Experten, 

ich mache seit ca. einem Jahr sehr aktiv Skincare. Ich reinige morgens und abends, benutze einen BHA-Toner, ein Niacinamid-Serum, manchmal eine AHA-Maske und abends Retinol. Ich verwende nur nichtkomedogene Produkte und habe jeden Inhaltsstoff einzeln recherchiert.

Und trotzdem — meine Haut ist schlechter als bevor ich angefangen habe. Sie ist trockener, geröteter und ich bekomme Pickel an Stellen, wo ich früher nie welche hatte. Meine Freundin sagt, das sei "purging". Aber das kann doch nicht seit einem Jahr andauern?

Mache ich etwas grundlegend falsch? Oder ist meine Haut einfach kaputt?

Ratlos, 

Besser-ist-schlimmer

Antwort unserer Dermatologin

Liebe "Besser-ist-schlimmer", 

was Du beschreibst, ist kein Einzelfall. Es ist eines der häufigsten Muster, die wir in unserer Online-Sprechstunde sehen. Und ich kann Dich beruhigen: Deine Haut ist nicht „kaputt“. Sie sendet Dir jedoch klare Signale, dass sie überlastet ist. 

Das, was Du beschreibst, klingt stark nach einer beschädigten Hautbarriere. Mitunter kann nämlich gut gemeinte Pflege tatsächlich mehr Schaden anrichten als helfen. Dann wird Akne durch Hautpflege schlimmer. Die gute Nachricht für Dich: Das ist umkehrbar. Du musst nur verstehen, was passiert.

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Deine Vorteile mit FORMEL SKIN:

  • Individuelles Behandlungs- & Pflegeset gegen Akne, hormonelle Pickel und unreine Haut
  • Wirkstoffe auf Dich und Deine Haut zugeschnitten
  • Persönlicher Kontakt zu Deiner/m Ärzt:in
  • Mit dem Code SKINCODE2X40 erhältst Du 40 % Rabatt auf die ersten beiden Behandlungsmonate – wenn Du nicht überzeugt bist, bekommst Du von uns Dein Geld zurück.

Was ist die Hautbarriere und warum ist sie der Schlüssel?

Die Hautbarriere (Stratum corneum) ist die äußerste Schicht der Haut, dem größten Organ des menschlichen Körpers. Sie funktioniert wie eine Verteidigungslinie aus Hautzellen und natürlichen Fetten wie Ceramiden, Fettsäuren und Cholesterin. Damit werden zwei wichtige Aufgaben erfüllt: Die Haut bleibt gut mit Feuchtigkeit versorgt und Schmutz sowie Reizstoffe werden draußen gehalten. 

Bei Menschen mit Akne ist diese Hautbarriere häufig gestört. Studien zeigen unter anderem eine erhöhte transepidermale Wasserverlustrate (TEWL) und einen geringeren Anteil an Ceramiden. Diese beiden Faktoren führen zu einer verletzlicheren Hautbarriere.

Das passiert bei einer beschädigten Hautbarriere:

  • Die Haut kann weniger Feuchtigkeit halten und kann trocken, gespannt und schuppig werden.

  • Der natürliche Säureschutzmantel von pH 4,5–5,5 wird gestört und Bakterien wie Cutibacterium acnes können sich vermehren.

  • Entzündungen nehmen zu und es können mehr Pickel entstehen.

  • Wirkstoffe dringen zu tief oder ungleichmäßig ein, was Reizungen verursachen kann.

Das Paradoxe daran: Wer die Haut wegen Akne intensiv pflegt und reinigt, kann die Barriere so schwächen, dass die Akne schlimmer wird.

Die 6 häufigsten Routine-Fehler bei Akne

Hier findest Du die wichtigsten Hautpflege-Fehler bei Akne, mit denen viele ihre Akne durch Pflege schlimmer machen, indem die Hautbarriere gestört wird. So kannst Du diese Fehler umgehen und Deine Haut optimal pflegen. 

1. Zu häufiges Reinigen (Over-Cleansing)

Zweimal täglich das Gesicht zu reinigen ist optimal, mehr kann schaden. Häufiges Waschen, besonders mit seifenhaltigen oder alkalischen Produkten, zerstört den Säureschutzmantel und löst natürliche Fette. Die Talgdrüsen beginnen dann mit einer Überproduktion von Talg als Kompensation. Aus Studien geht hervor, dass alkalische Reiniger mit pH-Werten von 8–10 ein anerkannter Risikofaktor für Akne und Hautempfindlichkeit sind. Seifenfreie, pH-neutrale Reiniger mit pH-Werten von 4,5–5,5 sind bei Akne besser geeignet.

2. Zu viele aktive Wirkstoffe gleichzeitig

Salicylsäure/BHA, Retinol, AHA, Vitamin C, Benzoylperoxid – jeder Wirkstoff einzeln ist potenziell sinnvoll. Alle zusammen in einer Routine könnte die Haut überfordern, die Barriere reizen und Ausbrüche auslösen, die wie Akne aussehen, aber keine sind. Auch Dermatologin Dr. Cindy Wassef sagt dazu: „10-Schritte-Routinen würde ich nie machen.“

3. Zu reichhaltige oder komedogene Produkte

Es ist verständlich, dass Du bei trockener, gereizter Haut zu mehr Feuchtigkeitspflege greifen willst. Aber: Zu schwere, okklusiv (abdichtend) wirkende Produkte wie Petrolatum oder Mineralöl können die Poren verstopfen, wenn sie in dicken Schichten aufgetragen werden. Auch Sheabutter kann bei zu Akne neigender Haut Poren verstopfen. Aus einer klinischen Studie geht hervor, dass das Akne-Risiko bei Reinigern mit komedogenen Inhaltsstoffen 2,5-mal höher ist als bei Produkten ohne diese Inhaltsstoffe. 

4. Kein Sonnenschutz – oder der falsche

Viele Wirkstoffe wie Retinol, AHA und BHA erhöhen die Lichtempfindlichkeit der Haut. Ohne täglichen Sonnenschutz werden Pickelmale dunkler und die Hautbarriere wird durch UV-Strahlung weiter geschwächt. Gleichzeitig können zu schwere Sonnencremes die Poren verstopfen. Nichtkomedogene, leichte Gelformulierungen sind daher die beste Lösung. 

5. Echtes Purging vs. Unverträglichkeit verwechseln

Purging oder Unverträglichkeit? Das ist der wichtigste Unterschied. „Skin-Purging“ ist eine vorübergehende Verschlechterung des Hautbilds beim Einschleichen eines neuen Wirkstoffs. Purging sollte maximal 4–6 Wochen dauern und sich auf typische Akne-Zonen beschränken. Wenn Du allerdings Ausbrüche an ungewöhnlichen Stellen bemerkst oder sie sich selbst nach 6 Wochen nicht bessern, ist das kein Purging mehr. Das sind typische Symptome einer Unverträglichkeit oder einer beschädigten Hautbarriere. 

6. Mechanische Überreizung

Aggressives Schrubben, häufiges Peeling mit mechanischen Peelingskörnern oder hartes Abtrocknen – all das kann Deine Hautbarriere zerstören und Entzündungen fördern. Auch unbewusstes häufiges Berühren des Gesichts, das Schlafen auf einer bestimmten Seite und regelmäßiger Handykontakt sind unterschätzte Faktoren für Akne.

Der Routine-Reset: 4 Wochen zurück zu Null

Woche 1–2: Vollständiger Reset

Um einen Hautpflege-Reset wegen Akne durchzuführen, solltest Du zunächst alle aktiven Wirkstoffe wie Retinol, Salicylsäure/BHA, AHA und Vitamin C für 14 Tage pausieren. So lässt sich die Skincare bei Akne deutlich vereinfachen. Verwende nur noch morgens und abends einen milden, pH-neutralen Cleanser, nicht komedogene Feuchtigkeitspflege (am besten mit Ceramiden, Glycerin oder Hyaluronsäure) sowie täglichen Sonnenschutz mit leichter Gelformulierung. 

Das Ziel ist eine minimale Routine bei Akne, mit der sich die Barriere selbst regenerieren kann. Die Ceramide in Deiner Haut brauchen etwa 2 Wochen, um sich zu erholen.

Woche 3–4: Beobachten

Wenn Du jetzt feststellst, dass Brennen, Stechen und diffuse Rötungen nachlassen, war die Hautbarriere das Problem. Wenn klare Akne-Läsionen wie Komedonen und entzündliche Papeln weiter bestehen, liegt tatsächlich eine Akne-Erkrankung vor. Sie sollte gezielt behandelt werden. 

Ab Woche 5: Selektives Wiedereinführen

Schleiche ab Woche 5 wieder Wirkstoffe ein, und zwar nur einen Wirkstoff pro Woche. Am verträglichsten ist Niacinamid, daher kannst Du hiermit beginnen. Als nächstes ist Salicylsäure/BHA empfehlenswert. Retinol kommt am besten ganz zuletzt und nur langsam.

Wann reicht ein Reset nicht, und wann braucht man dermatologische Hilfe?

Wenn Du Akne hast, fragst Du Dich vielleicht, wann Du zur Dermatologin oder zum Dermatologen gehen solltest. Ein Routine-Reset hilft, wenn Überreizung das Hauptproblem ist und eine Behandlung für Hautbarriere-Schäden notwendig ist. Dermatologische Unterstützung ist nötig, wenn

  • nach einem vollständigen 4-Wochen-Reset keine Besserung eintritt (hartnäckige Akne trotz einfacher Routine)

  • entzündliche Knoten oder Zysten entstehen,

  • Narbenbildung beginnt, 

  • ein Verdacht auf hormonelle Ursachen besteht (Kieferlinie, Zyklusschwankungen) und wenn

  • die Akne psychisch stark belastet. 

In diesen Fällen braucht es mehr als eine vereinfachte Routine, nämlich gezielte medizinische Wirkstoffe und ggf. eine Systemtherapie.

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Personalisierte Hilfe von Formel Skin

Hartnäckige Pickel entstehen selten durch einen einzigen Faktor. Oft spielen eine gestörte Hautbarriere, hormonelle Schwankungen, falsche Produkte oder aggressive Behandlungen eine Rolle. Standardlösungen aus der Drogerie greifen hier zu kurz.

  • Du bekommst eine individuelle Diagnose durch erfahrene Dermatolog:innen per Online-Konsultation.
  • Auf Basis deiner Hautbedürfnisse wird eine maßgeschneiderte Formel erstellt, die bei Bedarf kontinuierlich angepasst wird. So werden nicht nur Pickel behandelt, sondern auch die Hautbarriere repariert und zukünftige Entzündungen verhindert.
  • Bei schweren Fällen erfolgt eine professionelle Begleitung inklusive Empfehlungen für orale Medikamente oder Spezialist:innen.

Wissenschaftliche Quellen

  • Deng Y, Wang F, He L. „Skin Barrier Dysfunction in Acne Vulgaris: Pathogenesis and Therapeutic Approaches” Medical Science Monitor (2024)

  • Del Rosso JQ. „The Role of Skin Care as an Integral Component in the Management of Acne Vulgaris” Journal of Clinical and Aesthetic Dermatology (2013)

  • Choi K et al. „A Case-Control Study Exploring the Association Between Cosmetic Use and Acne Risk: Implications for Prevention and Clinical Practice” Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology (2025)

  • Stringer T et al. „Clinical evidence for washing and cleansers in acne vulgaris: a systematic review” Journal of Dermatological Treatment (2018)

  • Tan JK et al. „Beliefs and perceptions of patients with acne." Journal of the American Academy of Dermatology (2001)

  • Schachner LA et al. „Insights into acne and the skin barrier: Optimizing treatment regimens with ceramide-containing skincare” Journal of Cosmetic Dermatology (2023)

FAQ

  • Wie lange dauert echtes Purging und wann ist es eine Unverträglichkeit? 

    Purging dauert für gewöhnlich maximal 4–6 Wochen und zeigt sich ausschließlich in typischen Akne-Zonen. Wenn Ausbrüche länger andauern, neue Bereiche betreffen oder von Brennen und Rötung begleitet werden, ist es keine Purging-Reaktion, sondern eine Unverträglichkeit oder eine beschädigte Hautbarriere.

  • Kann ich bei beschädigter Hautbarriere trotzdem Make-up tragen? 

    Ja. Achte aber auf nicht komedogene, leichte Formulierungen (Fluid oder Cushion statt Volldeckung). Schminke Dich abends gründlich mit einem milden Mizellenwasser ab. Alkoholhaltige Reiniger und Abschminkprodukte solltest Du besser vermeiden, da sie die Barriere zusätzlich reizen.

  • Soll ich mein Gesicht morgens reinigen, wenn es abends schon gereinigt wurde? 

    Bei sehr empfindlicher oder barrieregestörter Haut kann es helfen, morgens nur mit lauwarmem Wasser abzuspülen, besonders, wenn du dazwischen nicht geschwitzt hast. Bei fettiger oder akneanfälliger Haut ist zweimal täglich reinigen in der Regel besser, sofern der Reiniger mild und pH-angepasst ist.

  • Kann ich Feuchtigkeitspflege weglassen, wenn meine Haut fettig ist?

    Nein. Das ist einer der häufigsten Fehler. Fettige Haut kann paradoxerweise gleichzeitig zu wenig Feuchtigkeit haben. Wenn die Haut austrocknet, reagieren die Talgdrüsen mit einer Überproduktion. Leichte, nicht komedogene Gelcremes oder Hydrogele sind ideal, denn sie spenden Feuchtigkeit, ohne Poren zu verstopfen.

  • Was ist der Unterschied zwischen Purging-Akne und echter Akne durch ein Produkt? 

    Purging tritt in den üblichen Akne-Zonen auf und ist zeitlich begrenzt (max. 6 Wochen). Es entsteht durch beschleunigte Zellregeneration von Retinoiden oder Säuren. Produkt-induzierte Akne (Acne cosmetica) betrifft eher neue Bereiche, ist dauerhafter und zeigt sich oft in Form von kleineren Knötchen. Dann ist es wichtig, das auslösende Produkt zu identifizieren.

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