Natürliche Wirkstoffe mit wissenschaftlicher Evidenz
Nicht jedes Hausmittel hilft, aber einige natürliche Wirkstoffe gegen Pickel sind wissenschaftlich gut untersucht und wirksam. Entscheidend ist, dass sie korrekt dosiert und richtig angewendet werden. In der Dermatologie sprechen wir hier von:
Kategorie A: Gut erforscht und wirksam
Nicht alles, was natürlich ist, wirkt. Aber einige Wirkstoffe sind wissenschaftlich gut belegt und können Akne messbar verbessern. In Kategorie A findest du natürliche bzw. naturnahe Inhaltsstoffe, deren Wirksamkeit und Sicherheit durch Studien geschützt sind und die bei einer richtigen Anwendung echte Ergebnisse liefern.
Teebaumöl (Melaleuca alternifolia)
Evidenz:
Mehrere Studien zeigen eine deutliche antimikrobielle Wirkung gegen Cutibacterium acnes. In einer Vergleichsstudie war 5 % Teebaumöl ähnlich wirksam wie 5 % Benzoylperoxid bei milder Akne, jedoch mit weniger Nebenwirkungen, aber langsamerem Wirkungseintritt. Nach etwa 12 Wochen reduzierte sich die entzündliche Akne um rund 40-50 %.
Wirkungsweise:
Terpinen-4-ol wirkt antibakteriell
Entzündungshemmende Eigenschaften
Reguliert die Talgproduktion
Anwendung:
Niemals pur anwenden! Teebaumöl kann schwere Hautreizungen verursachen!
2-5 % verdünnt in einem Trägeröl (z.B. Jojobaöl oder Traubenkernöl)
Punktuell auf einzelne Pickel auftragen
Unbedingt vorher (24h) einen Patch-Test machen
Vorsicht!
Teebaumöl kann bei etwa 10 % der Anwender:innen Kontaktallergien oder Kontaktdermatitis auslösen und ist daher nicht für sehr empfindliche Haut geeignet. Zudem exzidiert es schnell, wodurch die Reizwirkung zunimmt. Deshalb sollte Teebaumöl immer kühl, dunkel und in einer lichtgeschützten Flasche gelagert werden. Es sollte nicht innerlich eingenommen werden, da Teebaumöl toxisch ist.
2. Grüner Tee (Camellia sinensis)
Evidenz:
Topischer grüner Tee mit 2-3 % EGCG kann entzündliche Akne um bis zu 50-60 % reduzieren, besonders bei leichter bis moderater Akne.
Wirkungsweise:
Epigallocatechin-3-gallat (EGCG) hemmt 5α-Reduktase (wie Finasterid, aber schwächer)
Reduziert die Talgproduktion um bis zu 30-40 %
Antimikrobielle Eigenschaften gegen Cutibacterium acnes
Antioxidative Wirkung reduziert oxidativen Stress
Anwendung:
Topisch: Stark aufgebrühten Grüntee abkühlen lassen und als Toner verwenden (2x täglich)
Produkte: Seren mit 2-5 % grüner Tee-Extrakt
Optional oral: 2-3 Tassen grüner Tee täglich (zusätzlicher systemischer Effekt)
Vorsicht!
Bei sehr empfindlicher Haut kann Koffein aus grünem Tee in seltenen Fällen leicht reizend wirken. Achte deshalb auf eine gute Verträglichkeit und bevorzuge hochwertigen Bio-Grüntee, um unnötige Rückstände zu vermeiden.
3. Zink (topisch und oral)
Evidenz:
Zink zählt zu den bestuntersuchten natürlichen Akne-Wirkstoffen. Oral eingenommen (30 mg/Tag) reduziert die entzündliche Akne um etwa 40-50 %. Auch topisch zeigt 5 % Zinkoxid gute Effekte.
Wirkungsweise:
Hemmt hormonelle Akne-Trigger wie 5α-Reduktase (weniger Dihydrotestosteron)
Antibakterielle Wirkung gegen Cutibacterium acnes
Entzündungshemmend (hemmt TNF-α, IL-8)
Unterstützt die Wundheilung
Anwendung:
Oral: 30 mg elementares Zink täglich zu einer Mahlzeit (als Zinkgluconat oder Zinkcitrat)
Topisch: 5 % Zinkoxid punktuell oder in mineralischem Sonnenschutz
Wichtig: Zu viel Zink kann einen Kupfermangel verursachen
Vorsicht!
Zink sollte nicht dauerhaft über 40 mg täglich eingenommen werden, da sonst ein Kupfermangel drohen kann. Nimm es zu einer Mahlzeit ein, um Übelkeit zu vermeiden, und beachte mögliche Wechselwirkungen mit Antibiotika.
4. Niacinamid (Vitamin B3)
Auch wenn Niacinamid meist synthetisch hergestellt wird, ist es hautidentisch und extrem gut verträglich.
Evidenz:
Studien zeigen, dass 4-5 % Niacinamid vergleichbar wirksam wie Clindamycin bei leichter Akne ist. Entzündliche Läsionen nehmen nach 8 Wochen um bis zu 60 % ab.
Wirkungsweise:
Entzündungshemmend (reduziert Zytokine)
Reguliert Talgproduktion um bis zu 30%
Stärkt die Hautbarriere (erhöht Ceramide)
Aufhellend bei post-inflammatorischer Hyperpigmentierung
Anwendung:
4-10 % Niacinamid-Serum, 2x täglich
Mit fast allen Wirkstoffen kombinierbar
Wirkt ab Woche 4, optimal nach 8-12 Wochen
Vorsicht!
Bei sehr hohen Niacinamid-Konzentrationen über 10 % kann es gelegentlich zu einem kurzzeitigen Niacin-Flush mit Rötung kommen. In Kombination mit Vitamin C kann dieser Effekt verstärkt auftreten, ist jedoch harmlos.
Kategorie B: Begrenzt wirksam/zusätzliche Pflege
Nicht alle natürlichen Wirkstoffe sind stark genug, um Akne allein zu behandeln. Einige können die Haut aber spürbar unterstützen, Reizungen lindern und die Regeneration fördern. In Kategorie B findest du Wirkstoffe, die sich besonders gut als ergänzende Pflege eignen, ideal in Kombination mit evidenzbasierten Akne-Wirkstoffen.
Aloe Vera
Evidenz & Wirkung:
Aloe Vera wirkt beruhigend, leicht entzündungshemmend und unterstützt die Wundheilung. Die antimikrobielle Wirkung ist jedoch begrenzt, weshalb Aloe keine alleinige Akne-Therapie ersetzt und mit anderen Akne-Wirkstoffen kombiniert werden sollte.
Anwendung:
Frisches Aloe-Gel oder Produkte mit mehr als 90 % Aloe-Anteil
Als beruhigende Basispflege, nicht als Hauptbehandlung
Besonders sinnvoll nach austrocknenden oder reizenden Treatments
Aloe ist ideal, wenn deine Haut gestresst, gerötet oder empfindlich ist, aber eher Support als Lösung.
2. Honig (besonders Manuka-Honig)
Evidenz & Wirkung:
Manuka-Honig besitzt antibakterielle und wundheilungsfördernde Eigenschaften. Durch Methylglyoxal wirkt er moderat gegen Cutibacterium acnes, reicht allein aber nicht zur Akne-Behandlung aus.
Anwendung:
Medizinischer Manuka-Honig (MGO 400+)
Als Maske für 15-20 Minuten, 2-3x pro Woche
Nicht als alleinige Akne-Behandlung
Vorsicht!
Manuka-Honig ist sehr klebrig und in der Anwendung aufwendig, zudem stark qualitätsabhängig. Medizinisch wirksamer, echter Manuka-Honig ist vergleichsweise teuer.
3. Azelainsäure (aus Getreide, aber meist synthetisch)
Evidenz & Wirkung:
Azelainsäure ist deutlich wirksamer als klassische Hausmittel. Es wirkt antibakteriell, entzündungshemmend und aufhellend bei Pickelmalen. Außerdem ist es sehr gut verträglich, auch bei sensibler Haut.
Anwendung:
10-20 %, Azelainsäure 1-2x täglich
Erste Effekte ab Woche 4-6
Kombinierbar mit Retinoiden
Vorsicht!
Zu Beginn der Anwendung kann es vorübergehend zu leichtem Brennen oder Prickeln kommen, was überwiegend nach kurzer Zeit von selbst abklingt.

Kategorie C: Hausmittel mit zweifelhafter oder fehlender Evidenz
Viele Hausmittel werden als schnelle Hilfe bei Pickeln angepriesen, doch leider sind viele dieser Tipps nicht nur unwirksam, sondern können deine Haut sogar ernsthaft schädigen. Besonders bei empfindlicher oder bereits entzündeter Haut können die Folgen gravierend sein. Hier ein Überblick über die bekanntesten riskanten Mittel:
Apfelessig
Apfelessig wird als antibakteriell und pH-ausgleichend beworben, ist aber sehr sauer (pH 2-3) und kann die Hautbarriere schädigen. Studien, die eine Wirkung gegen Akne belegen, fehlen. Bei einer unverdünnten Anwendung kann es zu Verbrennungen und einer langfristigen Hautreizung kommen.
2. Zahnpasta
Zahnpasta enthält oft Fluorid, Menthol oder Sodium Lauryl Sulfate (SLS), die die Haut stark reizen. Entgegen vieler Mythen trocknet sie Pickel nicht zuverlässig aus, sondern kann Rötungen, Verätzungen und sogar Kontaktdermatitis hervorrufen. Die Inhaltsstoffe sind für Zähne gedacht, nicht für die Gesichtshaut.
3. Zitronensaft
Auch wenn er als natürliches Aufhellungsmittel gilt, ist Zitronensaft extrem sauer (pH ~2). Die Säure zerstört die schützende Hautbarriere, macht die Haut empfindlich gegenüber Sonnenlicht und erhöht das Risiko für Sonnenbrand. Außerdem kann es zu Phytophotodermatitis kommen, einer Hautreaktion, die Blasen und Verbrennungen zweiten Grades verursachen kann. Langfristig kann dies sogar Hyperpigmentierungen auslösen, das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte.
4. Backpulver/ Natron
Backpulver bzw. Natron ist alkalisch und stark reizend. Es zerstört den natürlichen Säureschutzmantel der Haut (die Hautbarriere braucht einen sauren pH-Wert von 4,5-5,5), kann chronische Irritationen verursachen und die geschwächte Haut anfälliger für Akne und Infektionen machen.
5. Zimt
Zimt enthält Zimtaldehyd, einen sehr allergenen Stoff, der eine schwere Kontaktdermatitis auslösen kann. Es gibt keine klinischen Studien, die seine Wirksamkeit gegen Akne bestätigen.
Dermatologische Empfehlung
Diese Hautmittel solltest du meiden. Sie können die Hautbarriere zerstören, Entzündungen verschlimmern und die Akne langfristig verschlechtern. Für eine sichere und effektive Behandlung sind geprüfte, evidenzbasierte Wirkstoffe die bessere Wahl.